Arkiva, Zeitung

Der FC Prishtina ist erneut aufgestiegen. Der sportliche Erfolg ist für den Präsidenten eine Chance, «das wahre Gesicht» des Klubs zu zeigen.

er FC Prishtina Bern hat YB etwas voraus: Der Klub, der auf der Bodenweid in Bümpliz spielt, zeigt, wie man auch mit Kunstrasen im Heimstadion am Saisonende zuoberst in der Tabelle stehen kann. Die 1. Mannschaft steigt nämlich schon wieder auf: Nächste Saison tut sie in der 2. Liga Interregional mit. Vor einem Jahr konnte der Klub bereits den Aufstieg von der 3. Liga in die 2. Liga Regional feiern, nun ist also schon das nächste Fest angesagt.

«Das ist für uns als Amateurverein ein Riesenerfolg», sagt Gazmend Tetaj, Präsident seit 2015. «Das spricht für unsere gute Arbeit.» Nächste Saison sollen die Spieler, viele von ihnen sind Secondos, für ihre Spesen eine Entschädigung erhalten. Löhne würden aber keine bezahlt, sagt Tetaj. Der FC Prishtina Bern wurde 1990 durch Albaner aus der Region Pristina gegründet. Unrühmliche Vorfälle mit Schlägereien und Tätlichkeiten liegen nun zehn und mehr Jahre zurück. Vor gut drei Jahren konnten finanzielle und organisatorische Probleme überwunden werden. Der Klub hat sich gewandelt. Unterdessen hat er schon beinahe Vorbild­charakter: Die Saison 2014/2015 beendete der FC Prishtina ­sogar als eine der fairsten Mannschaften überhaupt.

«Viele Nationalitäten im Klub»

Den erneuten Aufstieg sieht Präsident Tetaj als Chance. «Wir können unser wahres Gesicht zeigen, wir verstehen uns als Klub auch für Schweizer und nicht nur für Albaner.» In den letzten Jahren hat der Verein eine Junioren­abteilung aufgebaut, es gibt auch ein Mädchenteam. «Unterdessen haben wir viele Nationalitäten im Klub, alle sind willkommen», sagt der 35-jährige Tetaj. Er lebt seit rund zwanzig Jahren in der Schweiz und ist Mitinhaber des Carrosserie- und Lackierzentrums CLZ in ­Wikartswil in Walkringen, wo Ismet ­Likaj arbeitet. Tetaj hat nach der Lehre als Autolackierer die Handelsschule absolviert und das Höhere Wirtschaftsdiplom HWD erlangt. Im Betrieb arbeiteten Schweizer und ­Albaner ohne Probleme zusammen, sagt er. Im ersten Kontakt seien Schweizer vielleicht zurückhaltend und reserviert, aber: «Wenn du gute Arbeit lieferst, bist du akzeptiert und einer von ihnen.»

Er gewinnt in jedem Fall

Tetaj spricht von Integration, Achtung und gegenseitiger Toleranz. «Irgendwann wird es vielleicht keine Rolle mehr spielen, woher die Menschen kommen.» Und wer Samstagnachmittag an der EM in Frankreich gewinnt, ist ihm eigentlich auch nicht so wichtig. Sein Herz schlage für beide Nationen. Tetaj kann sich also in jedem Fall zu den Gewinnern zählen. Bald wird das noch häufiger der Fall sein, weil Kosovo jetzt auch eine National­mannschaft ins Rennen schicken darf – erstmals für die Qualifikation zur WM 2018 in Russland.

Quelle: Der Bund

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