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Der FC Prishtina hat sich sehr gut in der regionalen 2. Liga akklimatisiert. Dabei stand der Klub vor drei Jahren am Scheideweg, ehe Sportchef Gazmend Tetaj neue Strukturen einführte und für eine bessere Organisation sorgte.

Gegründet wurde der FC Prishtina 1990 durch Albaner aus der Region Prishtina, das im heutigen Kosovo liegt. In den ersten Jahren nach der Gründung ging es vor allem darum, Landsleute zusammenzuhalten, indem man wie in einer grossen Familie die Kultur und die Sprache der Heimat pflegte.

Der Fussball stand dabei im Hintergrund. Zwanzig Jahre später besteht der Zusammenhalt weiter – das runde Leder ist jedoch zur Hauptsache geworden. Der sportliche Aufstieg Prishtinas begann vor nicht allzu langer Zeit und gipfelte im Frühling dieses Jahres vorerst im Aufstieg in die regionale 2.Liga und einer volksfestähnlichen Feier auf der Bümplizer Bodenweid.

Neuanfang ist geglückt

Vor drei Jahren noch hatte der FC Prishtina Bern von solchen Momenten nur träumen können. Der Verein stand kurz vor dem Aus, wie so oft fehlte das Geld. Es gab weder einen Präsidenten noch einen Sportchef. Der heutige Sportchef Gazmend Tetaj half dem Migrantenklub auf die Sprünge, indem er den Verein neu organisierte. Heute leitet der Geschäftsinhaber eines Carrosserie- und Lackierzentrums die sportlichen Geschicke der ersten Mannschaft und sorgt sich zudem als Präsident um den ganzen Verein.

Früher sei der FC Prishtina nur eine Hobbymannschaft gewesen, heute wolle man einen professionellen Verein aufbauen. Stolz erzählt der Sportchef, «dass Prishtina damals nur eine Mannschaft hatte, heute neben drei aktiven Teams ebenfalls noch Junioren- und Frauenteams stellt».

In diesem Sommer verpflichtete Tetaj nicht weniger als acht Spieler für die erste Mannschaft, die aus oberen Ligen stammen. Er versichert aber, «keiner verdient hier Geld, wir schauen nur, dass sich die Spieler wohl fühlen». Der Verein sei sehr grosszügig, was die Abgabe von Sportartikeln oder die Verpflegung angehe, von Spielerentschädigungen hält Tetaj aber nichts.

Vorurteile bekämpfen

Hitzige Fans und Spieler, eine mitunter unfaire Spielweise sowie Gewalt während und nach dem Spiel: Mit diesen Vorurteilen haben Ausländermannschaften im Amateurfussball am meisten zu kämpfen. Wenn man aber auf der Bodenweid zwischen Wald und Autobahn ein Spiel Prishtinas verfolgt, ist von diesen Vorurteilen nichts zu spüren.

Trainer Ervin Gashi ist zwar sehr emotional und hadert bei jedem Schiedsrichterentscheid, bleibt aber meistens fair. Auch Tetaj ist sich bewusst: «Emotionen sind vorhanden, unsere Heimatsprache tönt aggressiver als das Berndeutsch», sagt er und ergänzt: «Es tönt aber nur so, es steckt weniger dahinter, als man denkt.»

Tatsache ist, dass der FC Prishtina Bern in der letzten Saison am wenigsten Strafpunkte im ganzen Verband vorzuweisen hatte. Der Verein ist mit seiner Organisation und Disziplin ein Versprechen für die Zukunft, und ein weiterer sportlicher Gipfelsturm ist vorprogrammiert.

«Wir wollen so hoch hinaus wie möglich», meint Gashi nach dem 2:2 im Derby gegen Ostermundigen. Das Potenzial dazu, dereinst die Spitze zu erklimmen, ist definitiv vorhanden. Denn nach sechs Runden hat sich der FC Prishtina auf alle Fälle schon bestens in der 2.Liga akklimatisiert. Mit zehn Punkten mischt der Migrantenverein in der erweiterten Spitzengruppe mit.

Quelle: Berner Zeitung

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