Arkiva

Im MLG-Cup gegen Köniz bestreitet der FC Prishtina sein erstes von der Fifa genehmigtes Freundschaftsspiel im Ausland. Über 1000 Fans feiern diese Premiere, die mit einem 1:0 Sieg für die Gastmannschaft aus Kosovo endet.

Mit der Sonne im Gesicht, einer feinen Pouletbratwurst in der Hand und einer grossen Portion Stolz im Herzen steht Rexhep Mustafa, ehemaliger Präsident des FC Prishtina Bern und jahrelanger Zweitligaschiri, inmitten von 1035 fast ausschliesslich kosovarischen Fans auf dem Sportplatz Liebefeld. «Es ist ein tolles Gefühl, heute hier zu sein.» Der Mann, der seit fünf Jahren wieder in Kosovo lebt, ist extra für das Spiel gegen den FC Köniz aus seiner Heimat angereist. «Wohin ich auch blicke, sehe ich gut gelaunte Fans und Organisatoren, die uns Kosovaren sehr herzlich empfangen haben.»

Tatsächlich fühlen sich die Zuschauer pudelwohl, schwatzen, klatschen und singen gemeinsam Heimatlieder. Für die Anhänger der Gastmannschaft wurde kosovarische Musik organisiert. Der 22-jährige Mergim Zeqiraj aus Bümpliz und sein ein Jahr älterer Freund Adnan Selimi aus Zollikofen sitzen auf der Tribüne und feuern ihre Mannschaft an. «Ich fühle mich wie an einem grossen Familientreffen. Es ist schön, wenn sich so viele Landsleute an einem Ort versammeln», sagt Selimi. Zeqiraj nickt zustimmend.

Tooor! Die Geduld nach vielen verpassten Chancen hat sich bezahlt gemacht. Eine Minute vor Schluss erzielt der Spieler mit der blonden Irokesenfrisur, Argjent Malaj, das 1:0 für die Gäste. Die Menge tobt und jubelt zusammen mit dem Torschützen, der das Bad in der Menge sichtlich geniesst. «Prishtina! Prishtina! Prishtina!» rufen die Fans, als der Abpfiff ertönt und Dutzende Kinder auf das Feld stürmen. Einige haben Glück und ergattern ein Trikot ihres Lieblingsspielers oder posieren lachend für Erinnerungsfotos. Ebenfalls gut gelaunt ist Afrim Tovërlani, früher selbst Fussballer und heute Trainer des 17-fachen kosovarischen Meisters. «Natürlich habe ich gehofft, dass das Tor bereits in der ersten Hälfte fällt.

Zum Schluss konnten wir eine der vielen Chancen wunderbar verwerten», sagt er und umarmt Ruedi Ruch, den Organisator des MLG-Cups. Dieser hat mit zahlreichen weiteren Helfern, darunter die Spieler des FC Prishtina Bern, alles dafür getan, dass sich die Gäste aus Kosovo und die Fans in Köniz wohl fühlen. Ruedi Ruch ist zufrieden: «Endlich hat es geklappt, noch letztes Jahr wurde ein Spiel von der Fifa abgelehnt.»

Der späte Sieg der Gäste vom Balkan steht stellvertretend für das lange Warten auf die Fifa-Genehmigung für ein kosovarisches Team, internationale Freundschaftsspiele austragen zu dürfen. Auch wenn die Uefa-Vollmitgliedschaft noch immer aussteht, empfindet Urs Frieden, der Gründer des Vereins «Gemeinsam gegen Rassismus», den Sonntag, 7.Juli 2013, als Genugtuung.

«Ich hoffe, dass die Fifa die Integration von Kosovo in die Fussballgemeinschaft nun schneller vorantreibt.» Frieden hatte 1998 ein Freundschaftsspiel zwischen dem FC Thun und dem FC Prishtina organisiert – allerdings ohne Genehmigung. Dies führte zu einer Busse im vierstelligen Frankenbereich für die Thuner.

«Das heutige Freundschaftsspiel ist von grosser Bedeutung für die Mannschaft und den gesamten kosovarischen Fussball», sagt Remzi Ejupi, Präsident des FC Prishtina. Nach Spielende geniessen viele Fans noch ein letztes Bier. Die Atmosphäre lässt schliessen: Es war ein Heimspiel für den FC Prishtina.

Quelle: Berner Zeitung

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